Die Geistkraft weht, wo sie will – und das ist gut.
Blogbeitrag und Rückblick von Isabelle Schreier
„Die Geistkraft weht, wo sie will, und du hörst ihre Stimme, aber du weißt nicht, woher sie kommt und wohin sie geht…“ (Joh 3,8 BigS)
Ein internationales Taizé-Treffen entsteht nicht von selbst. Monate vor dem Pfingstwochenende werden Schlafplätze organisiert, Workshops geplant, Mithelfer:innen und Gastfamilien gesucht, Sitzungen durchgeführt und unzählige Mails und Anträge geschrieben.
Und tatsächlich: Vieles lief in Baden „wie am Schnüerli“ und so, wie wir es vorbereitet hatten: Die Mitfeiernden haben sich zahlreich angemeldet, die Gastfamilien öffneten ihre Türen, die Gebete wurden gut besucht und die Workshops fanden statt. Natürlich gab es auch die kleinen Dinge, die kurzfristig anders kamen: Schlafplätze mussten noch einmal neu verteilt werden, und als eine Gemüselieferung ausblieb, ging es am Pfingstsonntag kurzerhand noch zum Bahnhof einkaufen. Die Frau an der Coop-Kasse war vor lauter Lauch, Peperoni und Karotten erstaunt. Freudig haben wir vom anstehenden Taizé-Treffen berichtet.
Doch wenn ich heute auf das Treffen zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Listen, Zeitpläne oder Organisationssitzungen. Ich denke an Bilder und Erinnerungen. Manchmal genügt schon der Blick auf meinen OK-Badge, der im Eingangsbereich meiner Wohnung noch immer hängt.
Ich denke an das Liedblatt in meinen Händen und an die vielen Stimmen, die gemeinsam sangen. Mal zart und fein, dann wieder kraftvoll und mehrstimmig. Ich denke an das Kerzenlicht in der Kirche und daran, wie mein Blick zwischen meiner kleinen Flamme und dem Lichtermeer im Raum hin und her wanderte.
Ich denke an das „Silence“-Schild, das durch die Reihen getragen wurde. An die besondere Ruhe, die entsteht, wenn viele Menschen gemeinsam schweigen. Eine Stille, die mich die Zeit anders erfahren lässt: kein ständiges aufs Handy schauen, kein Erreichbar- und Ansprechbarsein. Eine Stille, die mir miteinander einfacher gelingt als alleine.
Und ich denke an die Menschen. An bekannte und unbekannte Gesichter. An Gespräche zwischen Menschen, die sich zuvor nie begegnet waren. An eine Gemeinschaft, die für mich nicht exklusiv wirkte, sondern offen und einladend.
Vieles davon lässt sich vorbereiten. Aber nicht alles lässt sich planen. Man kann Räume schaffen, Menschen einladen und Begegnungen ermöglichen. Was daraus entsteht, liegt nicht vollständig in den Händen eines Organisationskomitees. Und das ist gut.
Nicht ohne Grund haben wir uns an Pfingsten getroffen. Denn Pfingsten erinnert daran, dass Gemeinschaft nicht nur das Ergebnis unseres Tuns ist. Wir dürfen auf die Geistkraft hoffen.
Fotos: Cécile Morgenthaler




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